Veranstaltungen im Rahmen des Konversionsprojekts


November 2015

Neuer Erinnerungsort am authentischen Schauplatz

Auf dem Weg zu einem neuen Erinnerungsort im Alten Tower: Wissenschaftler sowie Vertreter aus Politik und Gesellschaft diskutierten bei einem vom Landratsamt organisierten Symposium über die geplante Gedenkstätte für die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 auf dem Fliegerhorst. Deutlich wurde, dass dort nicht nur ein Ort des Erinnerns, sondern auch der Begegnung und des Lernens entstehen soll.

Empfangen wurden die beinahe 200 Teilnehmer im Offiziersheim mit einer Projektion, die den Blick vom Alten Tower auf die beiden ausgebrannten Hubschrauber zeigte. Auf dem Flugfeld waren bei einem missglückten Befreiungsversuch neun israelische Sportler und ein deutscher Polizist ums Leben gekommen. Die Athleten waren am 5. September 1972 von palästinensischen Terroristen im olympischen Dorf als Geiseln genommen worden.

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Der Landkreis Fürstenfeldbruck veranstaltet seit 1997 eine Gedenkfeier vor den Toren des Fliegerhorstes. Mit der Auflösung des Standortes bis 2019 wird aber ein Erinnerungsort am authentischen Schauplatz möglich. Wie dieser aussehen könnte, war Thema der Tagung am 25. September. Landrat Thomas Karmasin erinnerte an die zentrale Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des Attentats, als Angehörige aus Israel erstmals an den Originalschauplatz kamen. Damals sicherte Ministerpräsident Horst Seehofer zu, dass sich der Freistaat an einem würdigen Gedenkort beteiligen werde.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, betonte, das Gedenken gewinne mit wachsender zeitlicher Distanz an Bedeutung. Zentrale Aufgabe sei, jungen Menschen die Verbindung des Vergangenen mit ihrem Leben zu erklären. Jugendliche sollten bereits bei der Planung eingebunden werden. „Sie sind die Zukunft.“ Wichtig war ihr zudem die Kontextualisierung der Ereignisse. Einen Ort der Begegnung und des Nachdenkens, der Toleranz und Koexistenz vermittle, einen Ort des Lernens und Lehrens, wünscht sich der Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland, Dan Shaham.

Bei einer Gedenkfeier in Tel Aviv habe er gespürt, welch tiefe Wunden das schreckliche Ereignis hinterlassen habe, betonte Kultusminister Ludwig Spaenle Er werde sich dafür einsetzen, dass das Projekt auf den Weg gebracht wird. Die Historikerin Angelika Schuster-Fox, die das Vorhaben vor Ort betreut, betonte, dass der Landkreis eine derartige Einrichtung finanziell nicht stemmen könne. Sie erwähnte zudem, dass die Bundeswehr den Alten Tower und das Rollfeld bereits Ende des Jahres aufgeben werde. Die Planung werde daher vordringlicher.

Mögliche Ausstellungsinhalte sprach Ferdinand Kramer vom Institut für Bayerische Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München an. Dargestellt werden könnten etwa Akteure und Opfer, der Wandel des Sports, die internationale Positionierung der Bundesrepublik oder der Nahostkonflikt. Auch die Auseinandersetzung mit den Tätern sollte thematisiert werden. Sonja-Maria Herzl-Förster und Marie-Luise Kreilinger von der Dokumentation Obersalzberg stellten anhand von Beispielen die Bildungsarbeit und die museumspädagogischen Angebote dieser Einrichtung vor. Nur so könne ein breites Besucherspektrum angesprochen und ein derartiger Erinnerungsort lebendig gehalten werden.

Die Historikerin und Brucker Kulturreferentin Birgitta Klemenz plädierte für eine klare Trennung in einen Dokumentations- und einen Erinnerungsort. Im Alten Tower könnte das Geschehen dargestellt werden, auf dem Flugfeld sollte dagegen eine Stätte des würdigen Gedenkens an die Opfer entstehen.

Stadtbaurat Martin Kornacher zeigte aus der Perspektive der Stadt Fürstenfeldbruck städtebauliche und denkmalpflegerische Aspekte auf. Nach dem vollständigen Abzug der Bundeswehr wird auf dem Fliegerhorst-Gelände ein neuer Teil der Stadt entstehen. Tower und Rollfeld werden in einem Wohn- und Gewerbegebiet liegen. Der Gedenkort soll sich einfügen, ohne als „Stolperstein“ wahrgenommen zu werden, so Kornacher. Wichtig ist ihm, dass rund um den Alten Tower eine Fläche von etwa 20.000 Quadratmetern für die Erinnerungsstätte freigehalten wird. Laut dem Experten handele es sich dabei um die größte zusammenhängende freie Fläche im Landkreis. Wichtig sei, den Bereich in das Wegenetz einzubinden. Um den Bereich einer privatrechtlichen Nutzung zu entziehen, wäre eine Ausweisung als „Sondergebiet Erinnerungsort“ durch die Stadt denkbar. Über einen Wettbewerb, zu dem auch Vertreter aus Israel eingeladen werden sollten, könnten qualifizierte bauliche Konzepte gefunden werden.

Ein Gebäudegutachten für den ab 1936 errichteten Alten Tower hat der Architekt Ferdinand Krissmayr erstellt. Demnach hat das Gebäude seit 1972 erhebliche Veränderungen erfahren. Der Aufbau mit der Flugleitstelle wurde abgetragen, die Fenster erneuert und der Schriftzug „Fürstenfeldbruck“ entfernt. Übrig geblieben sei ein beliebiger Zweckbau. „Der Zustand von 1972 wäre für den Gedenkort von zentraler Bedeutung“, betonte Krissmayr. Dennoch wäre dort die Realisierung einer Erinnerungsstätte möglich.

Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, sprach von einem Tatort und hob hervor, dass die Außenansicht des Alten Towers wichtig sei. Denn diese Bilder vom seien Vielen im Gedächtnis geblieben. Von einer Rekonstruktion riet er jedoch ab. Für die Dokumentation regte er an, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Ausstellungsinhalte für den geplanten neuen Münchner Erinnerungsort präsentierte die Kuratorin Piritta Kleiner. Dabei wurde deutlich, dass viele mögliche Themen bereits dort aufbereitet werden.

Ausstellung zum Thema Konversion im Rathaus Fürstenfeldbruck

Ausstellung „München-Quartier beziehen“

Von Dezember 2014 bis Ende Januar 2015 war im Rathaus Fürstenfeldbruck, Hauptstraße 31, die Wanderausstellung „München- Quartier beziehen“ zu sehen.

Sie beschäftigt sich mit der Konversion von ehemals militärisch genutzten Flächen in der Stadt München seit Anfang der 1990er Jahre. Zum einen zeigt sie in kurzen Steckbriefen für mehrere Kasernengelände, wie Militärflächen zu lebendigen Stadtquartieren entwickelt werden können. Hierbei wurden unterschiedliche Planungsansätze, Mittel und Wege gewählt und Ergebnisse erzielt. Zum anderen können die Besucher an beispielhaft ausgewählten Themen sehen, welches komplexe Spektrum an Aufgabenstellungen zu bearbeiten ist und welche Chancen für die Stadtentwicklung mit einer Konversion verbunden sind.

Die Vorgehensweisen und Ergebnisse aus München lassen sich nicht analog auf Fürstenfeldbruck übertragen, da die Landeshauptstadt anders geartete Rahmenbedingungen hat und andere Ziele und Umsetzungsstrategien verfolgt. Für jede Kommune und jede Konversionsfläche müssen deshalb individuell die passenden Werkzeuge, Ziele und Strategien entwickelt werden. In ergänzenden Darstellungen werden daher die Ausgangslage, die Probleme und Risiken, die Potentiale und Handlungsfelder in Fürstenfeldbruck aufgezeigt.

Rollups zur Ansicht

1. Informationsveranstaltung für Bürger zur Konversion des Fliegerhorstes
4. März 2013

Begrüßung durch Herrn Oberbürgermeister Kellerer

Präsentationsteil durch die Akteure des Konversionsprozesses

  • Bundeswehr als bisheriger Nutzer (Herr Oberst Scheibl)
    Konversion aus Sicht der Bundeswehr
  • BImA als Grundeigentümer (Herr Hans-Peter Fehr)
    Rolle und Interessen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
  • Stadt Fürstenfeldbruck als planungsberechtigte Kommune
    (Herr Stadtbaurat Kornacher)
    Planungs- und Entscheidungsprozesse, Ziele
  • Professor Mark Michaeli, TU München
    Vorbereitende Untersuchungen, Darstellung Grundlagen und Kurzanalyse

Bürgerdialog
Ideen und Fragen der Bürger

Präsentationsunterlagen