Bundeswehr


Die Jah­re 1955–1957 waren eine Art Über­gangs­pha­se für den Flie­ger­horst Fürs­ten­feld­bruck, in der das ame­ri­ka­ni­sche Mili­tär Furs­ty an die bun­des­deut­sche Luft­waf­fe über­gab. In die­ser Zeit ver­blie­ben ame­ri­ka­ni­sche Bera­ter zur Aus­bil­dung des deut­schen Luft­waf­fen­per­so­nals auf dem Flie­ger­horst. Nach dem NATO-Beitritt der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (1955) begann bereits im Janu­ar 1956 die Aus­bil­dung der deut­schen Flug­schü­ler und der Auf­bau der „Flug­zeug­füh­rer­schu­le B“. Im Sep­tem­ber 1956 gra­du­ier­ten dann die ers­ten deut­schen Jet-Piloten. Am 1. Novem­ber 1957 wur­de der Flie­ger­horst von der bun­des­deut­schen Luft­waf­fe über­nom­men und offi­zi­ell am 14. Dezem­ber 1957 über­ge­ben.

Bedingt durch die stei­gen­de Zahl der deut­schen Luft­waf­fen­an­ge­hö­ri­gen, wur­den bereits im Juni 1958 die Offi­ziers­ver­ei­ni­gung und im August 1958 die Unter­of­fi­ziers­ver­ei­ni­gung gegrün­det. Im Jahr 1960 ver­ab­schie­de­ten sich dann die letz­ten ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten vom Flie­ger­horst Fürs­ten­feld­bruck. Mitt­ler­wei­le war die „Flug­zeug­füh­rer­schu­le B“ zu einer wich­ti­gen Aus­bil­dungs­stät­te gewor­den und auch das Kom­man­do der Schu­len hat­te seit dem Jahr 1956 eine zen­tra­le Rol­le in der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Luft­waf­fe. 1960 begann auf dem Flie­ger­horst auch die deut­sche mili­tä­ri­sche Aus­bil­dungs­hil­fe für ande­re Streit­kräf­te, wie bei­spiels­wei­se spä­ter für die nige­ria­ni­sche oder äthio­pi­sche Luft­waf­fe.

Im Jahr 1961 bestand der Flie­ger­horst aus 19 selb­stän­di­gen Dienst­stel­len:

  • das Kom­man­do der Schu­len (seit 1956)
  • die Luft­waf­fen­aus­bil­dungs­bri­ga­den 1 bis 4 (seit 1961)
  • die Flug­zeug­füh­rer­schu­le „B“ (seit 1956)
  • das Flug­me­di­zi­ni­sche Insti­tut der Luft­waf­fe
  • das Offiziersanwärter-Bataillon der Luft­waf­fe
  • die 1. Luftrettungs- und Ver­bin­dungs­staf­fel (seit 1959)
  • die Schwe­re Luft­waf­fen­pio­nier­kom­pa­nie Süd (seit 1959)
  • die Flug­si­che­rungs­be­reichs­zen­tra­le 1
  • die 1. Flug­si­che­rungs­kom­pa­nie
  • die 1. Luft­waf­fen­sa­ni­täts­aus­bil­dungs­kom­pa­nie
  • die Geo­phy­si­ka­li­sche Lehr­grup­pe (seit 1961)
  • die Stand­ort­kom­man­dan­tur (seit 1956)
  • die Stand­ort­ver­wal­tung (seit 1955)
  • das Kreis­wehr­er­satz­amt
  • die katho­li­sche und evan­ge­li­sche Mili­tär­seel­sor­ge

1962 wur­de das Ehren­mal der Luft­waf­fe, das an alle, in den Welt­krie­gen getö­te­ten Flie­ger erin­nern soll, fer­tig­ge­stellt und im Mai 1966 an die Luft­waf­fe über­ge­ben.

Im Okto­ber 1963 ver­leg­te man das Kom­man­do der 1. Luft­waf­fen­di­vi­si­on von Mün­chen nach Fürs­ten­feld­bruck. Ein ent­schei­den­der Ein­schnitt in der Geschich­te des Flie­ger­hors­tes Fürs­ten­feld­bruck war das Jahr 1964, in dem die Waf­fen­schu­le der Luft­waf­fe 50 von Erding nach Fürs­ten­feld­bruck umzog und mit der Flug­zeug­füh­rer­schu­le „B“ zur neu­en Waf­fen­schu­le 50 zusam­men­ge­legt wur­de. So ver­ei­dig­te man im Novem­ber 1965 erst­mals 150 Rekru­ten des Offiziersanwärter-Bataillons der Luft­waf­fe in einem mili­tä­ri­schen Zere­mo­ni­ell öffent­lich auf dem Platz vor der Klos­ter­kir­che Fürs­ten­feld. Im April 1968 kam es dann zu einer Umglie­de­rung der Waf­fen­schu­le 50: Die ers­te Staf­fel wur­de zur Lehr- und Ver­suchs­staf­fel und die zwei­te Staf­fel führ­te zum einen die Waf­fen­aus­bil­dung G-91 und zum ande­ren die Euro­päi­sie­rung der, in den USA aus­ge­bil­de­ten Flug­zeug­füh­rer durch, denn seit dem Jahr 1966 wur­den alle Strahl­flug­zeug­füh­rer der Luft­waf­fe in Texas aus­ge­bil­det. Im glei­chen Jahr tag­ten die Inspek­teu­re der Luft­waf­fe der NATO-Staaten Groß­bri­tan­ni­en, Bel­gi­en, den Nie­der­lan­den, Ita­li­en, Kana­da und der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf dem Flie­ger­horst Fürs­ten­feld­bruck. 1970 begann die Aus­bil­dung von Kampf­be­ob­ach­tern für das Waf­fen­sys­tem RF- 4E Phan­tom.

Im April 1973 wur­de die Flug­lehr­grup­pe der Fach­hoch­schu­le Neu­bi­berg als drit­te Flie­gen­de Staf­fel in die Aus­bil­dungs­grup­pe der Waf­fen­schu­le der Luft­waf­fe ein­ge­glie­dert. 1975 ver­leg­te man dann auch die Offi­ziers­schu­le der Luft­waf­fe von Neu­bi­berg nach Fürs­ten­feld­bruck. In die­sem Zuge wur­de eine neue moder­ne Offi­ziers­schu­le, das soge­nann­te „Blaue Palais“, gebaut und 1977 fer­tig­ge­stellt. Das Lehr­per­so­nal bestand aus über 250 Sol­da­ten und Zivi­lis­ten, die jähr­lich unge­fähr 1900 Lehr­gangs­teil­neh­mer unter­rich­te­ten. Die Waf­fen­schu­le der Luft­waf­fe 50 wur­de 1978 in Jagd­bom­ber­ge­schwa­der 49 umbe­nannt und bereits zwei Jah­re spä­ter star­te­ten die ers­ten Alpha-Jets vom Flie­ger­horst Fürs­ten­feld­bruck. Ab 1990 fan­den auch Ein­wei­sungs­lehr­gän­ge von Ange­hö­ri­gen der Natio­na­len Volks­ar­mee (NVA), der sich auf­lö­sen­den DDR, in Fürs­ten­feld­bruck statt. Ins­ge­samt war zwi­schen 1957 und der welt­his­to­ri­schen Wen­de der Jah­re 1989/1990 der Flie­ger­horst Fürs­ten­feld­bruck ein wich­ti­ges Aus­bil­dungs­zen­trum der bun­des­deut­schen Luft­waf­fe und direkt oder indi­rekt in alle Abschreckungs- und Ver­tei­di­gungs­kon­zep­te der NATO ein­ge­bun­den.

Im Juni 1991 traf das Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um die fol­ge­schwe­re Ent­schei­dung für den Flie­ger­horst Fürs­ten­feld­bruck das Jagd­bom­ber­ge­schwa­der 49 auf­zu­lö­sen. 1994 war es soweit und mit der Außer-Dienst-Stellung der Flug­lehr­grup­pe im Jahr 1997 star­te­te auch der letz­te Alpha Jet. 2003 erfolg­te die Ein­stel­lung des mili­tä­ri­schen Flug­be­triebs und nur ein Jahr spä­ter beschloss das Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um, den Flug­platz Fürs­ten­feld­bruck ganz auf­zu­ge­ben, was 2011 in dem Beschluss gip­fel­te den gesam­ten Stand­ort ein­schließ­lich der Offi­ziers­schu­le auf­zu­lö­sen.

Nach der­zei­ti­gem Stand ist davon aus­zu­ge­hen, dass sich der kom­plet­te Abzug der Bun­des­wehr bis zum Jahr 2020 hin­zie­hen wird.

1972 erlang­te der Flie­ger­horst Fürs­ten­feld­bruck trau­ri­ge Bekannt­heit, als wäh­rend der Olym­pi­schen Spie­le von Mün­chen, Ter­ro­ris­ten der Orga­ni­sa­ti­on „Schwar­zer Sep­tem­ber“ Ange­hö­ri­ge der israe­li­schen Olym­pia­mann­schaft als Gei­sel nah­men und vom Flie­ger­horst Fürs­ten­feld­bruck aus­flie­gen woll­ten. Hier­bei kam es zu einem Feu­er­ge­fecht zwi­schen Ter­ro­ris­ten und Poli­zei­kräf­ten, wobei die neun israe­li­schen Gei­seln, ein Poli­zei­be­am­ter und fünf Ter­ro­ris­ten getö­tet wur­den. 1999 wur­de ein Mahn­mal zum Geden­ken an die israe­li­schen Opfer des Olympia-Attentats vor dem Flie­ger­horst ein­ge­weiht.

Bis in die 90er Jah­re war der Flie­ger­horst der größ­te Arbeit­ge­ber im Land­kreis Fürs­ten­feld­bruck, so umfass­te das Per­so­nal im Jahr 1991 neben 2800 Sol­da­ten auch 1800 Zivil­be­schäf­tig­te, die mit ihren Fami­li­en in Fürs­ten­feld­bruck leb­ten. Die Ange­hö­ri­gen des Flie­ger­hors­tes waren zudem für die Geschäf­te der Stadt ein wich­ti­ges, kauf­kräf­ti­ges Kli­en­tel. Gewer­be­trei­ben­de, vor allem Hand­werks­be­trie­be, aus der Stadt und dem Land­kreis erhiel­ten viel­fach Auf­trä­ge für umfang­rei­che Bau­maß­nah­men auf dem Flie­ger­horst. Die Ver­tre­ter der Stadt und die Ver­ant­wort­li­chen des Flie­ger­hors­tes waren in der gesam­ten Zeit der Exis­tenz des Flie­ger­hors­tes um ein gegen­sei­ti­ges gutes Ver­hält­nis zuein­an­der bemüht. Bei­spie­le des guten Mit­ein­an­ders waren die Stadt­bäl­le, die häu­fig auf dem Flie­ger­horst statt­fan­den, oder auch die „Tage der offe­nen Tür“. So besuch­ten Im Juli 1960 über 200 000 Men­schen den Flie­ger­horst und ein Jahr spä­ter ström­ten unge­fähr 500 000 Besu­cher zur NATO-Flugschau.

Dage­gen äußer­ten sich Tei­le der Bevöl­ke­rung kri­tisch zum Lärm des Flug­ver­kehrs.